Ahnenbegleiter: Andreas Bö99084 und Felix Schr70173 freuen sich auf den gemeinsamen Stadtfestbesuch, Katharina Vog20095 möchte mit Mareike Bra40210 Riesenrad fahren
Mit: Andreas Bö99084, Felix Schr70173, Katharina Vog20095, Mareike Bra40210
Andreas bleibt mitten auf dem Rathausplatz stehen, als hätte ihn jemand am Rucksack gezupft. Vor ihm blinkt unter einer Plane … mehr Andreas bleibt mitten auf dem Rathausplatz stehen, als hätte ihn jemand am Rucksack gezupft. Vor ihm blinkt unter einer Plane ein schlanker, freundlicher Roboter mit messingfarbenen Gelenken und einem runden Gesicht aus mattem Glas. Die Augen leuchten warm, nicht kalt, und als die Plane ganz abrutscht, sagt er mit einer Stimme, die Andreas sofort trifft: „Na, Andreas. Du gehst immer noch zu schnell um die Ecke, wenn du nervös bist.“ Andreas schluckt. Das ist genau der Satz, den sonst nur jemand aus seiner Familie sagt. Felix, der danebensteht, zieht die Augenbrauen hoch und grinst bereits, bevor er überhaupt verstanden hat, was los ist. Katharina und Mareike kommen erst ein paar Schritte später dazu, beide mit Stadtfest-Bändchen am Handgelenk und dieser aufgeregten Stimmung, die nach Zuckerwatte und Musik riecht. „Das ist doch nicht möglich“, flüstert Andreas, aber seine Stimme klingt eher wie ein Staunen als wie ein Widerspruch. Der Roboter neigt den Kopf, und an der linken Seite seines Halsrings flackert ein kleines Emblem auf: ein altes Familienzeichen, das Andreas aus einer Schublade kennt, aus einer Kiste voller Fotos und vergessener Karten. „Mira-47“, sagt der Roboter freundlich. „Ich wurde nach euren Notizen zusammengesetzt. Und nach den Sätzen, die man in dieser Familie sagt, wenn man einen Plan braucht.“ Felix prustet los. „Das ist ja der coolste Stadtfest-Start aller Zeiten.“ Katharina klatscht in die Hände. „Wenn der Plan jetzt auch noch gut ist, nehme ich ihn sofort.“ Mareike schaut schon zum Riesenrad hinüber, das sich langsam über den Dächern dreht. „Solange niemand vergisst, dass ich mit Katharina fahren will“, sagt sie trocken. Katharina hebt sofort die Hand. „Ich habe es nicht vergessen. Ich habe es groß im Kopf gespeichert.“ Andreas lächelt zum ersten Mal richtig. Mira-47 erwidert das Lächeln mit einem kleinen, schiefen Zug um den Mund, fast wie ein alter Familienwitz, der plötzlich wieder Luft bekommt. Das Problem zeigt sich schneller, als der Duft von gebrannten Mandeln sich verteilen kann. Das Stadtfest ist voller Menschen, aber die Wege sind enger als gedacht, weil ein Teil des Platzes wegen einer defekten Bühne gesperrt ist. Genau dort, wo der Eingang zum Riesenrad frei bleiben müsste, staut sich die Menge. Ein Helfer winkt hektisch mit einem Warnband, und irgendwo ruft jemand, dass die Gondeln im Minutentakt laufen müssen, sonst gibt es Chaos. Mareike schaut enttäuscht nach oben. Katharina schaut auf die Schlange. Felix schaut auf die Karte am Handy. Andreas schaut zu Mira-47, weil der Roboter schon die Umgebung scannt, die Bewegungen der Menschen beobachtet und die Engstellen mit ruhiger Präzision verfolgt. „Früher“, sagt Mira-47 und hebt zwei Finger, als würde er einen alten Gedanken sortieren, „hat man bei Festen nicht gegen die Menge gekämpft. Man hat ihre Richtung gelesen.“ Andreas lacht leise. „Genau das hat jemand immer gesagt, wenn wir auf dem Jahrmarkt alles falsch eingeschätzt haben.“ Mira-47s Augen werden weicher. „Dann lasst uns lesen.“ Er zeigt auf einen Seitengang hinter dem Wurststand, wo ein schmaler Lieferweg zum Riesenrad führt. „Dort ist der Boden trocken, die Strömung der Menschen schwächer, und die nächste Gondel hält nach zwei Minuten länger, weil vorne ein Foto gemacht wird.“ Felix blinzelt. „Woher weißt du das?“ Der Roboter tippt sich an die Schläfe. „Muster. Gewohnheiten. Und ein bisschen Festlogik.“ Katharina zieht Mareike am Ärmel. „Komm, bevor der beste Platz weg ist!“ Mareike nickt, aber die Schlange drückt von hinten. Da macht Andreas etwas, das er sonst nur selten tut: Er tritt einen Schritt vor, hebt die Hände und ruft mit klarer Stimme: „Wir gehen seitlich! Bitte kurz Platz lassen, die nächste Gondel wartet dort hinten!“ Seine Stimme trägt überraschend weit. Felix fällt sofort ein, winkt lachend und ruft: „Folgt dem Plan, nicht dem Gedränge!“ Die Leute drehen sich um, sehen die freundliche Gruppe, sehen Mira-47 mit dem leuchtenden Blick und machen tatsächlich Platz. Der Weg hinter dem Wurststand ist eng, riecht nach Senf und warmem Holz, aber er funktioniert. Mira-47 geht vorne, nicht hastig, sondern so genau, dass er mit jedem Schritt die Lücke findet, in die niemand sonst passt. Felix hält die kleine Gruppe zusammen, indem er immer wieder Scherze macht, wenn jemand zu dicht kommt. „Wenn das hier ein Hindernislauf ist, will ich wenigstens Punkte für Stil.“ Katharina lacht so sehr, dass sie fast gegen ein Banner stößt. Mareike bleibt dicht bei ihr und sagt: „Ich nehme nur die Gondel, nicht den halben Festplatz.“ Katharina antwortet: „Abgemacht. Ich teile sogar die Aussicht.“ Andreas bleibt kurz neben Mira-47 zurück. „Du klingst wie jemand, der meine Familie besser kennt als ich selbst.“ Der Roboter sieht ihn von der Seite an. „Vielleicht, weil manche Gewohnheiten in jeder Generation eine neue Jacke tragen.“ Andreas muss schlucken, denn genau so hätte es jemand aus seiner Familie formuliert, mit diesem trockenen Humor, der nie laut sein will und gerade deshalb trifft. Vor dem Riesenrad öffnet sich die Menge endlich. Die Gondeln drehen langsam über ihnen, rot, blau, gelb, wie kleine schwebende Laternen. Doch jetzt klemmt es an der Absperrung: Ein Kind hat seine Mütze verloren, ein Helfer bückt sich, zwei Leute bleiben stehen, und schon stockt die ganze Reihe wieder. Mareike wird blass vor Enttäuschung. Katharina will gerade etwas sagen, da kniet Mira-47 sich überraschend tief hin, hebt die Mütze auf und reicht sie dem Kind mit einer kleinen Verbeugung. „In dieser Familie“, sagt er trocken, „haben wir immer erst die verlorenen Dinge aufgehoben und dann erst die großen Pläne gemacht.“ Das Kind strahlt. Die Mutter bedankt sich, die Reihe bewegt sich weiter, und die Stimmung kippt, als hätte jemand ein Fenster geöffnet. Andreas sieht seinen Robot-Ancestor an, und in seinem Gesicht liegt jetzt nicht nur Staunen, sondern auch etwas wie Heimkehr. Die vier schaffen es in dieselbe Gondel. Katharina sitzt sofort am Fenster, Mareike direkt neben ihr, als hätte sie den Platz schon vor einer Stunde reserviert. Felix lehnt sich grinsend zurück und sagt: „Ich will nur wissen, wer von uns zuerst schreit, wenn wir oben sind.“ „Du“, sagt Katharina und schubst ihn leicht an. Andreas bleibt einen Moment stehen, bevor er sich setzt, weil Mira-47 ihm noch etwas in die Hand drückt: ein kleines, altmodisches Metallplättchen mit einer eingravierten Spirale. „Das war früher ein Glückszeichen“, sagt der Roboter leise. „Nicht für Glück allein. Für Richtung.“ Andreas schließt die Finger darum. Dann fährt die Gondel an. Unten wird der Platz kleiner, oben wird der Himmel weit. Das Stadtfest glitzert wie ein Teppich aus Lichtern, Stimmen und Musik. Katharina drückt die Nase ans Fenster und ruft: „Mareike, schau! Genau da ist die Bühne!“ Mareike lacht, endlich wieder ganz bei der Sache. „Und da unten sind wir winzig. Das ist perfekt.“ Felix macht ein triumphierendes Geräusch, weil er noch nicht einmal halb so viel Angst hat wie behauptet. Mira-47 steht nicht, er sitzt ruhig, die Hände locker auf den Knien, und beobachtet nicht nur die Aussicht, sondern auch Andreas. „Du hältst das Plättchen fest“, sagt er. Andreas nickt. „Weil es sich anfühlt, als wäre da mehr drin als nur Metall.“ Der Roboter lächelt. „Dann mach heute Abend deinen eigenen Weg daraus.“ Andreas schaut zu Katharina und Mareike, die sich über die beste Aussicht streiten, zu Felix, der beide mit einem Witz wieder zum Lachen bringt, und dann nach draußen, wo das Fest unter ihnen leuchtet. Als die Gondel den höchsten Punkt erreicht, hebt Andreas das Plättchen gegen das Licht, und Mira-47 sagt ganz ruhig: „Da. Genau so klingt ein guter gemeinsamer Abend.“ weniger
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